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Madeleine Kern

Azubi-Karriereseiten - 6 Tipps für dein Azubi-Recruiting

18. Februar 2022

Im Internet könnte es so schön sein: Wohin ich klicke, nur gute und informative Azubi-Karriereseiten. Dass die Realität anders aussieht, wissen wir alle. Ich könnte jetzt richtig fies sein und die These aufstellen, dass weniger ansprechende Karriereseiten einen Beitrag zu falschen Vorstellungen von Berufen und Unternehmen leisten. Versteht meinen Beitrag als leise Kritik und Ermutigung mit einem Augenzwinkern. 

Wenn es nach der Jugend geht, sucht der überwältigende Großteil (93%) zuerst auf der Karriereseite nach Informationen zum Ausbildungsunternehmen und nicht auf Social Media-Kanälen wie Instagram, TikTok & Co.! Das geht aus den Azubi -Recruiting-Trends 2021 hervor. 

Im folgenden Artikel erläutere ich, wie ihr einige ausgewählten Fettnäpfchen auf Azubi-Karriereseiten galant umkurven könnt und gebe einige Tipps auf was ihr achten solltet. 

#1 Funktionale Azubi-Website oder in Schönheit sterben 

Es mag verrückt klingen, aber die Funktionalität hat bei allen Webseiten Vorrang vor allem anderen. Da nutzen toll in Szene gesetzte Bilder, Texte und Videos mit einer perfekt ausgeklügelten UserExperience rein gar nichts, wenn die Ladezeiten zu lange sind und die Karriereseite nicht performt. Problematisch sind beispielsweise übergroße Bilder, die nicht responsiv sind und sich der mobilen Ansicht nicht richtig anpassen.

Und mal unter uns gefragt: Wie lange wartest du denn, bis sich die Website vollständig aufgebaut hat? Drei Sekunden? Fünf Sekunden? Jugendliche zählen maximal drei Finger ab. Wenn die Seite bis dahin nicht vollständig steht, gibt es kein Erbarmen und wird mit einem Abbruch quittiert.

Mein Tipp: Teste deine Ladezeiten bei PageSpeed Insights, um zu sehen, wie gut du heute abschneidest.

#2 Karriereseite der Corporate Website?

Bekanntlich gibt es mehrere Möglichkeiten einer Azubi-Karriereseite: einen Karrierebereich als Teil der Unternehmensseite (Corporate Website) oder eine Karriereseite als Microsite mit einer eigenen Domain. 

Bei ersterer kannst du die Interessenten vollumfänglich über dein Unternehmen informieren. Zudem ist die Karriereseite unmittelbar und optisch in den gesamten Webauftritt integriert.  

Trotzdem ist es immer wieder interessant zu sehen, wie sich einige Unternehmen bei der Ansprache der jungen Zielgruppe in das enge Korsett der Corporate Website zwängen oder Nachteile in der User Experience in Kauf nehmen müssen. 


Zwei Beispiele stehen stellvertretend dafür, wie du es NICHT machen solltest:

Kürzlich scrollte ich im Karrierebereich eines Unternehmens durch die Stellenangebote und erblickte den Button “Haben Sie Fragen?” Ich war neugierig, drückte drauf und wurde auf eine Produktseite des Unternehmens weitergeleitet. Hä? Fehler Nummer eins.

Bei einem anderen Unternehmen wurde für die Corporate Website die “Siez”-Form festgelegt. Also auch im Karrierebereich. In der Ansprache von potenziellen Azubis und in Stellenausschreibungen leider unpassend. Ups! Fehler Nummer zwei.

Als gute Kompromisslösung bietet sich bei letztgenanntem Beispiel eine Microsite mit einer eigenen Domain an. Die Vorteile liegen sowohl in der genauen Zielgruppenansprache als auch der technischen und gestalterischen Unabhängigkeit gegenüber der Corporate Website.

Wie auch immer du dich entscheidest, sollte die Nutzerperspektive im Vordergrund stehen: Ist die Seite für zukünftige Azubis verständlich aufgebaut und stimmt die Usability?

#3 Sei direkt und authentisch in der Ansprache!

Hand aufs Herz: Wer h bezeichnet den Karrierebereich für die junge Zielgruppe “Schüler”? Da dürften sicher einige Hände nach oben gehen. Damit sich aber auch Quereinsteiger oder Studienabbrecher wiederfinden und angesprochen fühlen, solltest du den Karrierebereich “Ausbildung”, "Azubis" oder “Ausbildung & Duales Studium” bezeichnen.

Gib der Zielgruppe auf der Einstiegsseite einen Überblick zu euren Ausbildungsberufen oder Studiengängen.  Stell die Berufe und Studiengänge kurz und prägnant vor. Jugendliche wollen wissen, was sie konkret in der Ausbildung oder im Studium erwartet. Aber bitte nicht in der dritten Person schreiben. Damit fühlt sich niemand angesprochen. Versuche es einfach direkt, als ob mit den deinen zukünftigen Azubis sprechen würdest.

Schaffe Authentizität! Storytelling mit kurzen Videos von Mitarbeitenden bzw. Azubis zum Unternehmen oder zur Unternehmenskultur sind ein gutes Mittel, um zu zeigen, was das Unternehmen ausmacht und wer die Köpfe dahinter sind. Wer etwas anderes ausprobieren will, kann kurze Podcast-Episoden auf der Azubi-Karriereseite integrieren. Anekdoten zum Arbeitsalltag oder zu Themen wie Nachhaltigkeit erzeugen eine emotionale Bindung und tragen zu einem positiven Gesamtbild bei. Gerade das Arbeitsklima hat bei Jugendlichen einen sehr hohen Stellenwert. Helfen kann euch dabei beispielsweise die Firma Ohrbeit

Und wer etwas mehr Budget zur Verfügung hat, kann auch 360°-Rundgänge vom Unternehmen mit zusätzlichen Informationen und Funfacts einbinden. So kann der potentielle Arbeitsplatz erkundet und mögliche Vorurteile abgebaut werden. Ein Beispiel dafür sind die Rundgänge von “Scout Ed”. Schließlich musst du immer davon ausgehen, dass Jugendliche noch nie ein Unternehmen von innen gesehen haben.

Allerdings warne ich davor, Luftschlösser zu bauen und falsche Erwartungen wecken. Die Enttäuschung wird bei Jugendlichen umso größer sein. Und in Zeiten schneller Kommunikationswege erweist sich eine hohe Diskrepanz aus Gesagtem und Erlebten als schlimmes Eigentor auf den Sozialen Medien, Bewertungsplattformen und natürlich im Dorf  

#4 Beachtet die Bedürfnisse der Jugendlichen

Verstecke die Benefits nicht in den Tiefen der Stellenanzeigen - diese gehören ebenso auf die Einstiegsseite der Karriereseite für Azubis.

Mach dir gemeinsam mit heutigen Azubis Gedanken, was ihnen wirklich hilft. Ich denke aktuell vor allem an drei Dinge:

1.Mobilität: Biete vergünstigte Tickets für den Nahverkehr an oder richte zum Beispiel einen Shuttlebus-Verkehr ein, wenn eine Großstadt nur ein paar Kilometer entfernt ist. Schließlich bewerben sich viele Jugendlichen ausgehend vom Wohnort innerhalb eines Radius von bis zu 30 Kilometern. Problematisch sind ebenso die teils weiten Strecken vom Unternehmen zur Berufsschule.

2. Corona: Die vergangenen Monate und Jahre haben vor allem bei Jugendlichen Spuren hinterlassen. Durch Schulschließungen und Homeschooling sind Lernlücken und -verluste entstanden, die uns auch in den kommenden Jahren noch begleiten werden. Gib Jugendlichen das Gefühl, sie damit nicht allein zu lassen. Wie wäre es mit Lernunterstützung? Egal ob persönlicher Nachhilfeunterricht, blended Learning-Konzepte oder einen kostenlosen Zugang zu digitalen Lernplattform wie simpleclub: Jugendliche wissen es sehr zu schätzen.

3. Perspektiven: Jugendliche schauen natürlich über die Ausbildung hinaus. Sie bewegt vor allem, ob sie gute Übernahmechancen haben und wie sie sich im Unternehmen weiterentwickeln können. 

Mein Tipp: Zeige vertikale und horizontale Karrierewege auf und unterstützt die persönliche Entwicklung mit hochwertigen Weiterbildungsmöglichkeiten. - Natürlich direkt auf der Karriereseite und nicht erst im Gespräch.

#5 So transparent wie möglich… 

Ob aus interessierten Jugendlichen auch Bewerbende werden, liegt nicht zuletzt an einer transparenten Candidate Journey. Als großes Plus empfinde ich kurze Erläuterungen oder eine Visualisierung, wann ich mit einer Rückmeldung nach Bewerbungseingang rechnen kann, wie die Bewerbungsgespräche ablaufen und bis wann ein Vertragsabschluss voraussichtlich erfolgen wird. Nichts macht vielen Jugendlichen mehr Angst als die Unsicherheit zu dem, was auf sie zukommt. Eine hohe Erwartungssicherheit schafft Vertrauen. 

Dazu gehört auch das Benennen der Ansprechpartner bei Rückfragen. Am besten sogar mit Bild. Warum das so wichtig ist? Weil es einfach empathischer macht und positiver wahrgenommen wird. Dies belegen Daten der “Eagle Eye”-Studie in Bezug auf Stellenanzeigen. 

Gib aber bitte nicht nur die Telefonnummer, sondern auch eine E-Mail-Adresse und gegebenenfalls weitere Kommunikationskanäle an. Obwohl der überwiegende Teil der Jugendlichen ab 15 Jahren ein Smartphone besitzen, telefonieren die meisten nur ungern. Das klingt zwar paradox, ist aber eine Folge der viel verbreiteten Text- oder Sprachnachrichten unter Jugendlichen. Sie geben den Betreffenden Zeit, das Anliegen oder den Sachverhalt zu durchdenken und zeitverzögert zu reagieren. Bei einem Telefonat ist das nicht möglich und wird eher vermieden. Einige Unternehmen nutzen deshalb die Vorzüge von Conversational Marketing und setzen auf Chatbots auf den Karriereseite, um Fragen (automatisiert) zu beantworten.

Statt Chatbots kannst du auch WhatsApp Business verwenden. Vor allem das  DSGVO-konforme WhatsApp API ist eine interessante Option. Bei der Einrichtung ist diese zwar etwas umständlicher und benötigt einen lizensierten Dienstleister (z. B. Userlike), dafür ist sie aber sicher. Somit brauchen Jugendliche die gewohnte Kommunikationswege über den am weitest verbreiteten Messenger-Dienst nicht verlassen. Einmal im Kontakt, kannst du über WhatsApp beispielsweise auf Events, Praktika oder Bewerbungszeiträume hinweisen, ohne Streuverluste zu befürchten.   

#6 Das Bewerbungsformular und die Frage des “Wie”

„Was wollt ihr von mir? Erstmal registrieren? Och nööö!“ Wer auf Bewerber-Accounts und Registrierungszwang setzt, stößt bei Jugendlichen auf wenig Gegenliebe. Andererseits scheiden sich auch beim Bewerbungsformular gern die Geister. Oftmals sind die Felder in der mobilen Ansicht zu klein oder zu viele. Niemand möchte 13 bis 15 Felder ausfüllen. Die Grenze des Erträglichen liegt in etwa bei 8 Feldern. Andernfalls riskierst du so manche Bewerbungsabbrüche. 

Wurde diese Hürde übersprungen, wartet noch ein weiterer Stolperstein: Das Anschreiben. Ich frage mich, was Jugendliche machen, wenn sie sich spontan aus einem Impuls heraus, bei einem Unternehmen bewerben wollen. Warten bis man zu Hause ist und Zugriff auf einen Laptop oder PC hat? Mal abgesehen davon ist die Aussagekraft mehr als zweifelhaft. Eine Alternative wäre das Beantworten von zwei bis drei kleine Fragen zum Unternehmen und zur angestrebten Ausbildung im Bewerbungsformular. Jugendliche kommen dabei gar nicht drumherum, sich mit deinem Unternehmen und der favorisierten Ausbildung auseinanderzusetzen. Und das Beantworten der Fragen funktioniert auch in der mobilen Ansicht sehr gut. Allerdings solltest du vorher abklären, dass es technisch machbar ist.

Kleiner Tipp: Um Jugendliche zusätzlich für eine Bewerbung zu motivieren, kannst du dich für jede Bewerbung mit einem ThankU bedanken. Frei nach dem Motto: “Bewirb dich und unterstütze die Umwelt”. Was kann es Besseres geben, als ein kleines Dankeschön zum Zeichen der Wertschätzung zu verteilen und einen kleinen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit zu leisten?

Fazit

Die Azubi-Karriereseite ist zweifelsohne ein zentrales Element deines Arbeitgeberauftritts. Gut gemacht trägt sie wesentlich dazu bei, die großen Übel zu bekämpfen - namentlich den Bewerbermangel, die falsche Orientierung und das Missmatching. Für Jugendliche ist sie eine wichtige Informations- und Inspirationsquelle. Gib ihr die Bedeutung zu, die sie verdient. 

Festzuhalten bleibt, dass du auf die Performance der Azubi-Karriereseite achten solltest. Versetze dich in die Lage der Nutzer und prüfe unter Anwendung von Webanalytics-Programmen, wie verständlich und benutzerfreundlich die Seite ist. Digitale Gewohnheiten, Trends und Ansprüche der Zielgruppe wandeln sich ebenso wie technische Möglichkeiten und Rahmenbedingungen. 

Wer darauf nicht reagiert, verliert den Anschluss zur Jugend und die Sichtbarkeit als attraktive Arbeitgebermarke im Netz.

Der Autor Sascha Bohn:

Mein Name ist Sascha Bohn und komme aus Dresden. Derzeit bin ich beim DRK Bildungswerk Sachsen als Referent für Berufliche Bildung tätig. Meine Leidenschaft gehört insbesondere dem Ausbildungsmarketing. Durch meine langjährige Tätigkeiten an der Schnittstelle Schule-Wirtschaft berate ich nebenbei Unternehmen zu nachhaltigen Konzepten im Ausbildungsmarketing. Gleichzeitig bin ich noch als Freelancer für das Dresdner Startup byder.io sowie als Ghostwriter von Personen auf LinkedIn tätig, um das Personal Branding zu stärken.

Nimm gern Kontakt mit mir auf!

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