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Wer kennt sie nicht, die ellenlangen Listen von unerfüllbaren Anforderungen in Stellenanzeigen? Da soll jemand technisch versiert, sprachlich talentiert, kundenorientiert und natürlich super flexibel sein. Doch warum eigentlich?

Im letzten Artikel zur Stellenbeschreibung habe ich bereits erklärt, dass die meisten Buzzwords am besten direkt in der Stellenbeschreibung ihren Platz finden sollten.

Wenn die Kundenorientierung bereits in der Stellenbeschreibung als klare Anforderung formuliert ist, darfst du sie bei den Anforderungen einfach weglassen.

„Hire for attitude – train for skills”

Diese Zeile, die sich in der Personalwelt irgendwie etabliert hat, soll sagen, dass es vollkommen wurscht ist, was jemand mal gelernt hat oder was sie kann. Das mag für Führungspositionen im oberen Management gelten… (kleiner Scherz am Rande), in der realen Welt, ist eine Ausbildung oder Erfahrung in dem ausgeschriebenen Bereich wichtig. Eine Kandidatin soll bereits nach wenigen Tagen die ersten Aufgaben übernehmen und die Einarbeitung kann keine vollständige Ausbildung ersetzen. Selbst bei Azubis nehmen wir lieber die Bewerberin, die in einem Probearbeitstag zeigt, dass sie technische Zusammenhänge versteht oder den Bewerber, der sicher in der deutschen Rechtschreibung ist.

 

Muss – Kann – Erlernbar

In den Stellenanzeigen meiner Kunden setze ich eine ganz klare Trennung zwischen Muss-Anforderungen und Kann-Anforderungen. Das mache ich hauptsächlich, um es den Lesern zu vereinfachen. Wer selbst einmal in der spaßigen Situation war, aus einer Stellenanzeige herauszulesen, welche Eigenschaften oder Fähigkeiten „Voraussetzung“, „zwingend erforderlich“ oder „wünschenswert“ sind, weiß, wovon ich spreche.

Dabei sind diese Formulierungen nicht falsch. Ich nutze sie auch gern. Dennoch trenne ich die Anforderungen mit 2 Überschriften in „Das musst du können“ und „Es wäre schön, wenn du das auch noch kannst“.

 

Muss

Es gibt Fähigkeiten und Kenntnisse, die muss ein neuer Mitarbeiter ab dem ersten Arbeitstag haben. Wie bereits erwähnt, haben die meisten Unternehmen keine Zeit für eine monatelange Einarbeitung in Grundlagen. Dabei sollte die wichtigste Anforderung auch an erster Stelle stehen.

Es scheint fast schon historisch gewachsen und für alle Leser von Stellenanzeigen klar, dass an allererster Stelle bei den Anforderungen an potenzielle Bewerber die Ausbildung steht, die für den Job gebraucht wird.

Meine Frage 1: Ist es wichtig, dass die Ausbildung / das Studium abgeschlossen ist?

Meine Frage 2: Ist überhaupt eine Ausbildung / ein Studium zwingend notwendig?

Der größte Witz: Bei den meisten technischen Berufen ist die abgeschlossene Ausbildung vollkommen egal. Wenn das so ist, dann darfst du diese gerne weglassen oder eben als „Kann“ in den nächsten Absatz schreiben. Jegliche Quereinsteiger oder Personen mit abgebrochenen Ausbildungen werden sonst sofort abgeschreckt. Dabei haben sie immerhin bis zu den Anforderungen gelesen. Sie können sich aufgrund der Stellenbeschreibung vorstellen, diese Tätigkeit zu übernehmen und den Job gut zu machen. Wenn es also ausreicht, dass jemand schonmal diesen oder einen ähnlichen Job gemacht hat, dann lass die Ausbildung gerne weg oder schreibe sie in die „Kann“-Anforderungen.

Besonders toll wird es natürlich, wenn du auch die Anforderungen in ganzen Sätzen formulierst, denn wir wissen ja aus der Stellenbeschreibung: Wer liest schon gerne Stichpunkte?

Beispiel:

Du solltest (oder auch: Du musst) Erfahrung in der Entwicklung von E-Commerce Lösungen im B2B Umfeld haben.

 

Dann erlebe ich immer wieder Unsicherheit, wenn Deutschkenntnisse zwingend erforderlich sind. „Darf ich das reinschreiben?“ – Natürlich! Aber sag doch bitte, warum es so wichtig ist.

Beispiel:

Für die Kommunikation mit unseren Kunden sind sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift unerlässlich.

 

Kann und Erlernbar

Alle Fähigkeiten, Eigenschaften und Kenntnisse, die nicht zwingend ab dem ersten Tag für die Ausübung des Jobs wichtig sind, solltest du unter „Kann“-Anforderungen schreiben. Das nimmt den Druck von den Kandidaten, bereits alles können zu müssen, was in der Stellenbeschreibung steht. Außerdem kannst du hier zusätzliche Kenntnisse aufführen, die die Einarbeitungszeit verkürzen oder bei denen du eine Weiterbildung anbietest. Somit schaffst du es, dich als attraktiver Arbeitgeber in den Anforderungen zu positionieren.

Beispiel:

Besonders freuen wir uns über Grundlagenwissen im Datenschutz, die du dir auch gerne in einem von uns finanzierten Training aneignen kannst.

Darüber hinaus ist es hier möglich, die zukünftige Entwicklung oder eine Erweiterung der Stelle einzubauen.

Beispiel:

Du bereicherst unser Team, wenn du bereits Erfahrungen in der testgetriebenen Entwicklung hast, die wir zukünftig stärker ausbauen wollen.

Bei den Softwareentwicklern wird gern mit verschiedensten Programmiersprachen, Versionsverwaltungssoftware und was nicht alles geprahlt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass nach spätestens einer Woche jedem neuen Mitarbeiter klar wird, was wirklich genutzt wird und was du dir wünschtest, was ihr in deinem Unternehmen nicht alles nutzen wolltet… Sei ehrlich! Was nutzt ihr wirklich und was wäre wichtig, zu erwähnen, dass jemand schonmal davon gehört hat.

Beispiel:

Wir nutzen Github zur Versionierung und unsere Kunden arbeiten vorwiegend mit Linux, daher wäre es toll, wenn du mit beidem schon erste Erfahrung hast.

 

Bullsh*t Bingo vermeiden

„Aber wir brauchen für den Kundenservice dringend jemand, der kundenorientiert, hübsch und freundlich ist. Außerdem ein Teamplayer und Lösungsfinder mit ganz viel Lernfähigkeit.“

Puh, ja, das stimmt. Doch machen wir an dieser Stelle die Probe: Welche Eigenschaften hast du bereits in der Stellenbeschreibung klar und deutlich gemacht? Wenn es eine Position mit viel Kundenkontakt ist, dann wird in der Beschreibung der Aufgabe klar, dass hier Kundenorientierung und Freundlichkeit wichtig sind. Somit musst du das hier nicht wiederholen. Die Stellenanzeige sollte nicht länger werden als nötig, denn du willst ja auch, dass sie bis zum Schluss gelesen wird.

Was die Eigenschaften der Teamfähigkeit angeht, möchte ich darauf hinweisen, dass darunter wirklich jeder Mensch etwas anderes versteht. Und außerdem gibt es wirklich sehr wenige Menschen, die mit „nein“ antworten, wenn man sie fragt: „Bist du ein Teamplayer?“

 

Wie du herausfindest, ob jemand ins Team passt oder besser noch, wie eine Leserin der Stellenanzeige herausfindet, ob sie in dein Team passt, dass erfährst du im nächsten Artikel.

 

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Weitere Artikel in dieser Blogserie:

Überblick - Warum gibt es Stellenanzeigen
Das Titelbild
Der Titel der Stellenanzeige
Unternehmensbeschreibung
Stellenbeschreibung
Arbeitsweise und Kultur
Benefits - Was biete ich dir?
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